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12.12.2010 Kategorie: Gemeindeleben

„Stille Nacht, heilige Nacht“- nicht nur zur Weihnachtszeit

Von Menschen, die arbeiten, wenn andere schlafen - Teil 3

Zwischen zwei und vier wird's ruhiger
In der Nacht gewinnen Probleme an Schärfe, sagt Telefonseelsorgerin Anne Schmitz
Wenn Anne Schmitz (Name geändert) gegen Mitternacht mit der Bahn zum Einsatz fährt, betrachtet sie oft die Fenster der vorbeiziehenden Häuser. Manche sind dunkel, andere erleuchtet. „Was geschieht dahinter? Wer wird heute Nacht anrufen?" Acht Stunden, bis halb acht morgens, dauert ihre Schicht. Für die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Telefonseelsorge hat die Nacht etwas Geheimnisvolles. „Wie in der Kindheit ist ein gewisser Zauber immer noch da." Als die 66-Jährige mit ihrem Engagement begann, waren ihr durchwachte Nächte unbekannt, aber sie hat sich daran gewöhnt.
Über eine Bekannte hatte sie die Telefonseelsorge kennengelernt. Heute sagt sie: „Die Arbeit entspricht meinem Naturell." Schließlich erfahre sie spannende Dinge, erzählt sie mit Augenzwinkern. Es gebe sehr nette Gespräche, ein Geben und Nehmen. Am Telefonhörer, im ganzen Gebäude ist sie nachts völlig allein. „Das macht das Flair aus. Alle Geräusche sind runtergeschraubt." Sie trinkt viel Kräutertee, isst ein wenig Obst. Das Telefon klingelt fast pausenlos.
Manche rufen mehrmals an. Nur zwischen zwei und vier ist es ein wenig ruhiger. Die einen schlafen schon, Frühaufsteher sind noch nicht wach. Sich selbst erlebt Anne Schmitz in einem „kleinen permanenten" Anspannungsmodus. Das erhöht ihre Aufmerksamkeit. Ähnliches gilt auch für die Anrufer: „In der Nacht gewinnen Probleme an Klarheit und Schärfe." Beispielsweise die schwere Operation, die einer Anruferin am nächsten Tag bevorsteht. Anne Schmitz zündet eine Kerze an und sagt: „Das Licht dringt von meinem Fenster bis zu Ihrem, leuchtet und wenn ich es ansehe, denke ich an Sie." Sie verspricht, am nächsten Tag für die Anruferin
zu beten. Das sage sie so oft, erklärt Anne Schmitz fast entschuldigend. Die Frau am anderen Ende beruhigt sich und atmet tief durch: „Da bin ich jetzt richtig erleichtert." (gbr/Protestant) Die Telefonseelsorge ist auch nachts unter 0800 1110111 und 0800 1110222 zu erreichen  
Beitrag von Online-Redaktion